Wieder zugenommen und jetzt?

Achtung: First World Problem Alarm!

Hallo liebe Leute,

in letzter Zeit war es ganz schön ruhig um not only salad. Woran lag das? Im Moment fühle ich mich einfach alles andere als wohl in meiner Haut. Euch hier von Fitnessmotivation, mentaler Gesundheit und Co. zu berichten, während ich Wein trinke und Wasser predige, fühlte sich für mich einfach falsch an. Ich möchte euch einfach nichts vormachen und hier ein Bild konstruieren, was so eigentlich gar nicht passt.

Eigentlich hatte ich vor, als nächstes einen Beitrag für meine „Grüner-Tee-Reihe“ zu veröffentlichen, allerdings finde ich, dass es auch wichtig ist, nicht immer nur über die rosaroten Wolken, auf denen man schwebt, zu berichten – auch, wenn ich zugegeben lange überlegt habe, ob ich hier in aller Öffentlichkeit so tiefe Einblicke in meine Gedanken geben möchte.

Ich habe generell kein Problem damit, etwas von mir preiszugeben. Was meine Optik betrifft, habe ich seit vielen Jahren sehr stark mit mir zu kämpfen, daher ist das für mich nochmal eine andere Situation, zumal das hier auch Leute aus meinem Umfeld lesen, die ich so auch im „real Life“ sehe und ich irgendwie das Gefühl habe, mich vor ihnen „nackig“ zu machen. Aber auch der Umgang mit Scheitern ist Teil von Fitness und Ernährung, darum möchte ich es hier auf dem Blog nicht aussparen.

Was ist jetzt eigentlich mein Problem?

Frei raus: Ich habe wieder zugenommen und finde es zum K*****. Ich bin zum Glück noch vom Ausgangspunkt entfernt, aber für mich ist es aktuell das Schlimmste, was in Sachen Ernährung & Fitness passieren konnte. Ich bin enttäuscht von mir selbst und mache mir Vorwürfe, dass ich es nicht zu verhindern wusste. Es sind „nur“ 4 Kilo,  die sich im Zuge diverser persönlicher Veränderungen angesammelt haben. 4 Kilo sind jetzt mehr da, die sich für mich aber wie 10 anfühlen. 4 Kilo, die sich scheinbar so in mich verliebt haben, dass sie sich einfach nicht von mir trennen möchten. Während ich letztes Jahr auf der Welle der Motivation schwebte, fühlt es sich aktuell so an als würde alles um mich herum zusammenbrechen, was ich mir so mühevoll erarbeitet habe. Fragen, ob ich wieder zugenommen habe oder Kommentare, dass ich wieder dicker aussehe, gaben ihr Übriges dazu. Leute, ich habe selbst einen Spiegel, in den ich jeden Tag gucke! 😉 

Für Menschen, die echte Existenzängste haben, nicht wissen wohin sie gehen können und wo sie ihr nächstes Essen herbekommen, mag das alles so furchtbar banal klingen und das ist es im Grunde auch, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin. Auch Leute, die sehr starkes Übergewicht haben, werden womöglich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sich denken „Was will sie überhaupt?!“. Aber vielleicht kennst du es selbst: In dem Moment, wo du von etwas für dich Schlimmen geplagt wirst, kannst du nicht anders als zu denken, dass genau das für dich gerade das Schlimmste überhaupt ist.

Nächstes Jahr wird alles noch besser!

Genau das sagte ich mir im vergangenen Jahr und dann kam alles anders. Ich war hochmotiviert und meinte noch stolz, dass ich die Klamotten, die ich gekauft habe, 2017 eh nicht mehr tragen kann. Ha, und wie es die ironische Klatsche im Leben manchmal so will, renne ich jetzt wieder damit rum, statt meinen Astralkörper im Freibad in der Sonne zu baden… Das ist natürlich jetzt überspitzt dargestellt, aber so fühlt es sich an. Überspitzt. Extrem in jeder Hinsicht. Mein Kampf vor dem Kleiderschrank hat wieder angefangen. Mit detailverliebter Präzision arrangiere ich meine Outfits so, dass man ja keine Speckrolle zu viel sieht. Gedanken, die ich bis vor nicht allzu langer Zeit abgelegt habe.

Ich weiß noch, wie süß sich das Freiheitsgefühl, endlich eine kurze Hose ohne Strumpfhose anzuziehen anfühlte, wie sehr es mein motiviertes Herz höherschlagen ließ. Vorher bin ich jahrelang auch bei 30 Grad mit langer Hose oder Strumpfhose und mit Strickjacke herausgegangen. Das mache ich jetzt nicht mehr, aber es fühlt sich nicht gut an wie letzten Sommer, wo ich von meinen Erfolgen gepusht wurde… Während ich jetzt durch die Stadt streife, nutze ich Fensterscheiben und Co. für einen Kontrollblick, der Druck beim Essen wurde wieder größer, der tägliche Gang zur Waage mit dem Gefühl von Angst zum Pflichtprogramm und damit wurde eigentlich alles nur noch schlimmer. Ein nicht enden wollender Teufelskreis bahnte sich an und ganz ehrlich: ich hab da einfach keinen Bock drauf – denn mittlerweile weiß ich, dass das eh nichts bringt. Deswegen ist jetzt Schluss mit Gejammer! Schluss mit Druck! Schluss mit Selbstvorwürfen! Aus die Maus!

Und jetzt? Wie geht es weiter?

Es wäre schön zu glauben, dass ich negative Gedanken mit einem Fingerschnipsen hinter mir lassen könnte. Es wird wahrscheinlich immer wieder Situationen geben, in denen ich mich nicht sehen kann, selbst wenn ich meinen Traumkörper irgendwann erreicht habe. Aber: das kann und soll kein Dauerzustand werden, dafür hab ich schon viel zu viele Jahre meines Lebens damit verschwendet, zu jammern und mich selbst nicht im Ansatz wertzuschätzen. Und am Ende nehme ich durch Jammern auch bloß nicht wieder ab… Eher im Gegenteil, weil der Körper im Stresszustand (und in dem befand ich mich irgendwie dauerhaft in letzter Zeit) Cortisol ausschüttet, wodurch man zunehmen kann.

Darum möchte ich jetzt wieder an meinen Ausgangspunkt zurück, d. h. die positive Einstellung zu mir selbst einnehmen, die ich hatte, bevor ich zugenommen habe. Denn im Grunde hat es nur eine Person in der Hand und das ist immer man selbst und nicht die anderen. Glück wächst nicht auf Bäumen, man muss dafür kämpfen und sich vom Scheitern nicht unterkriegen lassen. Zudem möchte ich endlich versuchen, meinen Blick auf mich selbst nicht nur von meiner Figur abhängig zu machen. Es gibt so viele andere Punkte, die ich erreicht habe, auf die ich stolz sein sollte. Es gibt so viele andere Dinge, die mich ausmachen, die andere an mir schätzen und allen voran ich selbst lernen sollte, zu schätzen.

Sich selbst zu verändern, egal ob hinsichtlich des Gewichts oder im Bezug auf andere Belange, ist ein Prozess, dem man Zeit geben sollte. Das nicht nur hier aufzuschreiben, sondern auch zu verinnerlichen wird jetzt mein Job. Es geht nicht von heute auf morgen und genau das versuche ich mir jetzt zu verinnerlichen. Es ist ein Prozess und ich bin so froh, dass ich liebe Menschen an meiner Seite habe, die mich dabei unterstützen. Danke an dieser Stelle auch an euch. Danke, dass ihr euch mein „Geheule“ auch beim „Eine-Millionsten-Mal“ mit demselben Verständnis anhört und mich motiviert, immer weiterzumachen. 

Was genau ich wie mache, um endlich wieder zu mir selbst zu finden, berichte ich euch mal in einem separaten Beitrag. Ich möchte euch hier auch nicht mit Worten „erschlagen“.

Fabelhafte Grüße
Sandy

1 Comment

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  1. Sehr gut geschrieben Sandy.

    Diese Texte schätze ich so an Dir nicht die Kilo.
    Diese Situation kennen viele Menschen einschließlich ich und wir Männer sind mindestens genauso eitel und ehrgeizig was Figur und Gewicht angeht wie Ihr Frauen.

    Immer weiter machen, nur die Ausdauer führt zum gewünschten Ziel!
    Viele Menschen überschätzen die kurzfristigen Erfolge und unterschätzen die langfristigen Erfolge.

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