Versteckter Zucker: wo & warum?

Du verzichtest fast komplett auf Zucker? Super Sache, das mache ich auch schon lange, denn Süßigkeiten esse ich ja eh kaum.von super vielen Leuten
 Falls du das auch schon mal gesagt hast, ist das eine super Sache. 😀 Wir freuen uns sehr darüber, denn jetzt bist du einem gesunden Leben schon einen bedeutenden Schritt näher. Dieser Satz, den wir wirklich schon millionenfach gehört haben, zeigt aber auch, dass die Masche der Lebensmittelindustrie aufgeht – denn die hat sich wirklich einiges einfallen lassen, um die kleinen süßen Kristalle elegant zu tarnen. Durch gewisse Tricks wurde der perfekte Nährboden für den Irrglauben, dass „schlechter“ Zucker nur in Süßigkeiten und Softgetränken zu finden ist, geschaffen. Und so passiert es ganz schnell, dass ein Erwachsener im Jahr ungefähr 34 Kilo Zucker isst – genauso viel wiegen übrigens auch zwei Kästen Bier.

Für uns bedeutet „Zuckerverzicht“ mittlerweile viel mehr, als auf offensichtliche Quellen wie Schoki & Co. zu verzichten.

Darum soll es heute auch gehen: In diesem Beitrag reden wir einfach mal Tacheles und zeigen dir, wo sich versteckter Zucker befindet, wie du ihn enttarnst und warum er überhaupt „unsichtbar“ gemacht wird. Vorab sei gesagt, dass wir heute nur über Industriezucker sprechen, der bei bestimmten Lebensmitteln und Getränken zusätzlich hinzugefügt wird. Lebensmittel wie Obst, die von Natur aus Zucker enthalten, gehören nicht dazu.

Weiter unten gibt es für dich auch eine Liste zum Download. Hier haben wir unserer Meinung nach wichtige Lebensmittel gelistet, die zusätzlichen Zucker enthalten, obwohl wir das im ersten Moment gar nicht vermuten würden.

Wichtiger Hinweis
Die folgenden Annahmen beziehen sich natürlich nicht auf alle Lebensmittelhersteller. Es gibt immer Ausnahmen. Wir beobachten aktuell immer mehr den schönen Trend, dass Unternehmen Produkte ohne künstliche Zusatzstoffe in ihr Repertoire aufnehmen.

 

Warum wird Zucker überhaupt versteckt?

Bevor es ans Eingemachte geht, widmen wir uns erstmal der Frage nach dem „Warum“. Warum wird Zucker überhaupt versteckt? Dazu gibt es bestimmt wieder auch zigtausend Ansätze, sodass wir uns in stundenlange Debatten stürzen könnten.

Für Marcus und mich steht bei der Ursachenforschung ganz klar das wachsende Bewusstsein für gesunde Ernährung im Vordergrund, das sich vor allem innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte – wo immer bekannter wurde, dass viele Krankheiten ernährungsbedingt sind und Probleme wie Adipositas an Präsenz zunahmen – immer mehr in den Köpfen manifestiert hat.

Gut für die Gesundheit, aber auch ein harter Schlag für einen Großteil der Lebensmittelindustrie.

Bei der Nahrungsmittelproduktion geht es nicht nur darum, dass wir alle schön satt werden, sondern vorwiegend darum, dass die Industrie ihre Gewinne maximiert. Das wird natürlich am besten erreicht, wenn zwischen Produktionskosten und Verkaufspreis eine möglichst hohe Gewinnspanne liegt. Industriezucker ist dafür ein entscheidender Katalysator. Er erfüllt bei der Lebensmittelproduktion aus Sicht der Hersteller wichtige Funktionen.

Im Folgenden stellen wir dir deshalb 3 wesentliche Aufgaben vor, die Zucker bei der Lebensmittelherstellung übernimmt. Natürlich gibt es dafür immer auch Alternativen. Diese sind allerdings teurer, was folgende Möglichkeiten zur Folge haben könnte:

  1. Bei gleichbleibendem Endpreis sinkt die Gewinnspanne.
  2. Bei höherem Verkaufspreis würden wahrscheinlich weniger Menschen das Produkt kaufen.

Bei beiden Varianten würden sich die Gewinne minimieren. Hohe Umsätze sind nun mal das Ziel, dass jede Industrie verfolgt, ganz gleich, welchem (lebensnotwendigen) Zweck sie dienen soll.

Beginnen möchten wir mit dem (in unseren Augen) Hauptaspekt, der zu getarntem Zucker führt:

1. Zucker ist ein Geschmacksträger

Was Essen betrifft, sind wir schon ziemlich verwöhnt. Was uns nicht schmeckt, essen wir nicht. Nur, wenn wir geschmacklich auf Wolke 7 schweben, verbinden wir mit Gerichten und Lebensmitteln etwas Positives. Wir fühlen uns wohl, genießen es richtig und vergessen bei einem guten Essen vielleicht für einen Moment sogar den stressigen Alltag. Das sind Emotionen, die Lebensmittelhersteller natürlich auch bei ihren Konsumenten erreichen möchten – denn dann wird die Chance erhöht, dass das Produkt wieder gekauft wird.

Zucker ist ein preisgünstiger Geschmacksträger. Er lässt das Aroma der einzelnen Zutaten noch intensiver erscheinen und die Herzen deiner Geschmacksknospen höherschlagen. Natürlich geht das auch ohne Industriezucker, aber dann müsste man mehr von der „eigentlichen“ Hauptzutat verwenden bzw. ausschließlich hochwertige Zutaten in der Herstellung verwenden – die Produktionskosten würden damit steigen. Zucker kann also genutzt werden, um die Kosten in der Herstellung gering zu halten bzw. den Geschmack von vielleicht nicht ganz so erstklassigen Zutaten besser dastehen zu lassen.

Daraus hat sich ein echter Teufelskreis entwickelt: Der Geschmack vieler Verbraucher hat sich so sehr an die Zugabe von (verstecktem) Zucker gewöhnt, dass die zuckerfreie Variante wahrscheinlich nicht so gut schmecken würde wie die gezuckerte. Viele Hersteller setzen daher auch bewusst auf Zucker, damit den Verbrauchern das Produkt schmeckt. Zucker hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem echten Suchtmittel entwickelt. Zu diesem Thema werden wir aber einen separaten Beitrag veröffentlichen.

2. Zucker als Treibmittel

In unserem Dinkelbrötchen-Rezept haben wir es schon angedeutet. Zucker ist ein Treibmittel und sorgt dafür, dass beispielsweise Hefe richtig intensiv geht. Dadurch kann man mehr aus seinen Zutaten herausholen. Würden wir beispielsweise unseren oben genannten Brötchenteig mit Zucker strecken, würden wir bestimmt ein Viertel bis Drittel mehr Teig erhalten. Zucker wird also sehr gerne genutzt, um aus den Zutaten das Maximum herauszuholen.

Wie ihr seht, spielt auch hier die Gewinnmaximierung wieder eine entscheidende Rolle.

3. Zucker verfügt über eine konservierende Wirkung

Hast du schon mal gesehen, dass eine Tüte gewöhnlicher Haushaltszucker, Sirup oder sonst etwas, das vor Zucker strotzt, schlecht wird? Wir jedenfalls nicht! Zucker verfügt über eine konservierende Wirkung und wird deshalb sehr gerne in der Lebensmittelindustrie genutzt, um für eine längere Haltbarkeit zu sorgen. Zucker entzieht Wasser und hemmt damit auch das Wachstum von Mikroorganismen in Lebensmitteln.

Die Folge: Lebensmittel sind länger haltbar. Lange Haltbarkeit ist natürlich wieder etwas, das sich positiv auf die Umsätze der Lebensmittelindustrie bzw. das Kaufinteresse der Verbraucher auswirkt. Die meisten Konsumenten wollen bestimmt keinen Fruchtjoghurt kaufen, der geschlossen nur 1 bis 2 Tage haltbar ist.

 

Lebensmittel-Check: Wo ist versteckter Zucker drin?

Kurz gesagt: Versteckter Zucker ist in so ziemlich (fast) allen Fertigprodukten, also industriell gefertigten Lebensmitteln, aus den oben genannten Gründen zu finden. Im Laufe unserer Ernährungsumstellung haben wir immer mehr Zuckerfallen ausfindig gemacht. Manche davon hätten wir ohne genauere Recherche nie vermutet. Vielleicht geht es dir bei folgenden Lebensmitteln ja genauso:

  • Fleisch- & Wurstwaren
  • Babynahrung
  • Sojasoße
  • Blätterteig (Fertigprodukt)
  • Grillsoßen, bspw. Ketchup oder Barbecue
  • Brot & Brötchen
  • Instantgemüsebrühe
  • fertige Suppen
  • etc.

Selbst bei Getränken sind nicht nur die „Zuckerklassiker“ betroffen. Auch scheinbar gesunde Varianten wie die momentan so gehypten Matcha-Eistees enthalten oft jede Menge Zucker (meist in Form von Rohrzucker). Sogar viele Säfte werden zusätzlich künstlich gezuckert, dabei würde die Süße des Fruchtzuckers eigentlich vollkommen ausreichen. Achte hierbei am besten darauf, dass du Direktsaft kaufst. Andere Formen, beispielsweise Fruchtsaftkonzentrate beinhalten oft zusätzlichen Zucker.

Da gibt’s natürlich noch viiiiiiiiiel mehr und deshalb haben wir für dich eine Liste erstellt, die du dir mit zum Einkaufen oder wohin auch immer du möchtest nehmen kannst. Quasi dein Zuckerfrei-to-Go-Kit. 😀 Die Liste findest du ganz unten. Aber vorher erst den Beitrag zu Ende lesen. 😀

 

Zucker in Lebensmitteln – So findest du ihn beim Einkaufen

Um Zucker in Lebensmitteln zu identifizieren, reicht zunächst folgender Schritt:

Ein Blick auf die Zutatenliste

Schau dir am besten immer die Zutatenliste eines Lebensmittels an, wenn du wissen möchtest, ob und welcher Zucker enthalten ist oder nicht. Die Angaben findest du meist auf der Rückseite oder am Boden der Verpackung. Bei den meisten industriell gefertigten Produkten wird dir rasch auffallen, dass Zucker relativ weit vorne steht. Je weiter vorne eine Zutat steht, desto mehr ist sie enthalten.

Übrigens
Am 13.12.2014 trat die Lebensmittelinformationsverordnung im europäischen Raum in Kraft. Damit war ein großer Schritt in Richtung bewussteres und selbstbestimmteres Einkaufen vor allem im Hinblick auf die eigene Gesundheit geschafft. Lebensmittelhersteller waren von nun an verpflichtet, ihre Produkte umfassend zu kennzeichnen. Natürlich gab es vorher auch eine Pflicht zur Kennzeichnung, allerdings wurden die Bestimmungen dahingehend Ende 2014 verschärft.

Versteckter Zucker: Begriffe

In der Zutatenliste nur nach dem Begriff „Zucker“ zu suchen, reicht leider nicht immer aus. Es gibt unzählige Bezeichnungen – laut aktuellem Stand sind es circa 70 – für Zucker. Das verhält sich so wie sich die Begriffe Geldbörse, Geldbeutel und Portemonnaie zueinander verhalten – unterschiedliche Bezeichnungen für die gleiche Sache. Um sicherzugehen, dass wirklich kein künstlicher Zucker enthalten ist, solltest du bei deiner Suche auch auf Begriffe wie Glukosesirup, Gerstenmalz oder Maisstärke achten. Eine gute Übersicht zu verschiedenen Bezeichnungen findest du hier bei ktipp.ch.

 

Unsere Lösung

Wie du sehen konntest, ist Zucker in weit mehr Lebensmitteln enthalten als in offensichtlichen Quellen wie Schokolade oder Brause. Wir sind deshalb dazu übergegangen, fast keine verarbeiteten Lebensmittel mehr zu kaufen und die meisten Dinge, bspw. Tortellini, Gemüsebrühe oder Joghurtdrinks, selbst herzustellen. Aber natürlich gibt es auf unserem Speiseplan auch Ausnahmen. 😉

Schau am besten mal in unserem Rezeptbereich vorbei. Hier stellen wir dir leckere zuckerfreie Alternativen vor.

Zuckerhaltige Lebensmittel: PDF zum Download

Damit du immer den Überblick behältst, haben wir für dich eine PDF-Datei zusammengestellt. Lies dir vor dem Download bitte folgenden Hinweis durch:

Hinweis
Wir haben hier nur unserer Meinung nach relevante Zuckerquellen aufgelistet und diese so gut es ging zusammengefasst, damit die Übersichtlichkeit gegeben bleibt. Wir verzichten hier auf die Nennung von offensichtlichen Zuckerfallen wie Schokolade und beziehen uns ausschließlich auf Lebensmittel, denen bewusst zusätzlicher Zucker hinzugefügt wurde. Nahrungsmittel, die von Natur aus Zucker enthalten, fallen für uns nicht in die Kategorie „getarnte Zuckerquelle“. Wir möchten hier außerdem nichts pauschalisieren. Es gibt immer auch Hersteller, die zu den gelisteten Produkten eine zuckerfreie Variante anbieten.

Aber nun zum Herunterladen. 😀

Jetzt meine Zuckerfrei-Liste laden!

 

Unsere These lautet Zusammenfassend also:

Immer mehr Menschen wissen, dass Zucker nicht gut ist. Dennoch erfüllt er aus Sicht der Nahrungsmittelindustrie relativ preisgünstig relevante Funktionen – allen voran die des Geschmacksträgers – bei der Lebensmittelproduktion. Damit die Herstellungskosten gering und die Gewinnspanne möglichst groß gehalten werden können, wird der Zucker versteckt bzw. wird einfach nicht großartig darüber geredet, dass Zucker zugesetzt wurde. Schau am besten immer auf die Zutatenliste und achte auch auf andere Zucker-Bezeichnungen wie Maisstärke. Dann hast du die halbe Miete für deinen Schritt in ein gesünderes Leben schon gewonnen.

Stimmst du dieser Annahme zu oder bist du anderer Meinung? Hinterlasse uns doch sehr gerne einen Kommentar dazu. Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit dir. 😀

 

Fabelhafte Grüße

Sandy & Marcus

2 Comments

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  1. Hallo ihr Lieben, ihr habt einen ganz tollen Blog 🙂 Ein Artikel über Zucker wird bei uns auch in Kürze erscheinen – FÜR MEHR AUFKLÄRUNG 🙂 Euer Artikel ist auf jeden Fall sehr aufschlussreich und top geschrieben. Viele Grüße aus Coburg. Cindy & Pascal

    1. Hallo ihr 2 🙂
      vielen Dank für eurer liebes Feedback. Das freut uns wirklich sehr. 😀 Wir sind schon auf euren Beitrag gespannt.
      Ihr habt recht, es herrscht leider immer noch wenig Aufklärung, daher ist es super, wenn immer mehr Menschen in Blogs und Co. darauf aufmerksam machen. Liebe Grüße Sandy & Marcus

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